Acht Tage zwischen Ostsee und Salzkammergut 3/6 m 77 B (Reiseberichte)

TD ⌂ @, Dienstag, 16. Mai 2017, 17:40 (vor 66 Tagen)

wilkommen zum dritten Teil unserer kleinen Rundfahrt durch Deutschland und Österreich. Im zweiten Teil waren wir von Tübingen nach Berlin gefahren und hatten dort eine Runde mit dem U-Bahn-Cabrio gedreht. Nun geht es von Berlin aus weiter Richtung Ostsee.

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Tag 3: Berlin – Stralsund – Barth – Zingst – Barth – Velgast – Rostock – Bad Kleinen – Lübeck – Puttgarden

Auf meiner Wunschliste für die Strecken- und Verbindungssammlung steht schon länger der Intercity „Lübecker Bucht“ von Burg auf Fehmarn nach Bayern. Wenn man aus dem tiefsten Süden kommt, liegen Berlin und Fehmarn in der gleichen Richtung, so dass sich das doch kombinieren lassen muss. Der „verkehrsübliche“ Weg von Berlin nach Fehmarn ist mir allerdings zu langweilig und da man mit einer Bereisung der Strecke von Velgast nach Barth besser auch nicht mehr allzu lange warten sollte, steht heute eine Tour durch den Nordosten auf dem Reiseplan.

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Und so starten wir am Berliner Hauptbahnhof mit dem RE 3 nach Stralsund. Für gut drei Stunden machen wir es uns im Oberdeck des Doppelstockwagens bequem.

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Durch den Barnim und das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin fahren wir in die Uckermark, wo der Zug in Anklam die Peene quert.

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Weiter geht es durch das flache Land Vorpommerns, hier mit Blick auf das 500-Seelen-Dorf Ziehten mit der Marienkirche, einem Feldsteinbau aus dem 13. Jahrhundert.

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Nach der Ankunft in Stralsund holen wir noch ein Außenbild des Zugs nach. Bis zur Weiterfahrt bleibt noch Zeit für einen kleine Runde durch den Bahnhof. Der Bahnhof des Jahres 2016 präsentiert sich in roter Ziegelstein-Gotik, innen stimmen zwei Wandgemälde die Besucher auf Stadt und Ostsee ein.

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Die Hansestadt steht heute jedoch nicht auf unserem Plan, hier waren wir vor zwei Jahren schon einmal (zum Reisebericht), stattdessen wollen wir nun die Bahnstrecke nach Barth befahren und besteigen den bereitstehenden UBB-Triebwagen.

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Auf der Hauptbahn Stralsund-Rostock fahren wir bis Velgast, dort zweigt die Stichstrecke nach Barth ab. Für gut 11 Kilometer führt die Strecke vom Geestrücken bei Velgast in Richtung Barther Bodden.

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Hier sind wir auch schon an der Endstation angekommen. Der Bahnhof Barth wurde 1888 eröffnet und entwickelte sich zum Mittelpunkt mehrerer Bahnstrecken, die normalspurige Darßbahn führte von hier weiter nach Prerow auf die Halbinsel Darß, die Franzburger Kreisbahnen betrieben eine Meterspurstrecke von Stralsund über Barth nach Damgarten, eine Bahn erschloss den Barther Hafen und auch zum nahegelegenen Flughafen gab es eine Gleisverbindung. Die Deutsche Reichsbahn brachte mit Schnellzugverbindungen Feriengäste nach Barth und zu den Ostseebädern, später gab es Interregioverbindungen von Frankfurt, Berlin und Chemnitz. Von dieser Herrlichkeit ist ein einzelnes Gleis am Hausbahnsteig übrig geblieben, das im Zweistundentakt von der UBB angefahren wird.

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Die Stadt Barth hat knapp 9.000 Einwohner und liegt am Südufer des Barther Boddens. Der Bahnhof befindet sich am Rand der Innenstadt, wir machen uns nun auf den Weg in Richtung Zentrum und Hafen.

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Der Marktplatz wird seinem Namen gerecht, ein paar Händler sind noch beim Abbauen der Verkaufsstände des Wochenmarkts. Das Stadtbild wird geprägt von der mächtigen Marienkirche in norddeutscher Backsteingotik, der Grundstein wurde um das Jahr 1250 gelegt, vollendet wurde die Kirche etwa zweihundert Jahre später.

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Bei der Reiseplanung hatte ich lange mit mir gerungen bezüglich der Aufenthaltszeit in Barth. Ich wollte nicht nur die Bahnstecke befahren, sondern auch einen Eindruck von Stadt und Hafen mitnehmen, hierfür schien mit der Wendezeit von 27 Minuten etwas knapp. Zweieinhalb Stunden hingegen kamen mir etwas lang vor. Und so kam ich schließlich auf die Idee, den längeren Aufenthalt zu wählen und die Zeit für eine Schiffsfahrt über den Barther Bodden nach Zingst zu nutzen und von dort mit dem Bus zurück an den Bahnhof von Barth zu fahren. Die Fahrzeit des Schiffs ist mit 45 Minuten angegeben, zwölf Minuten später fährt in Zingst der Bus ab und hat in Barth Anschluss an die UBB – das passt perfekt und wir kommen als Zugabe noch in den Genuss einer Schiffsfahrt. Auf dem Bild fährt gerade das Schiff in den Hafen von Barth ein.

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Als wir auf dem Schiff sitzen, werde ich etwas unruhig, denn zur veröffentlichten Abfahrtszeit steht die Mannschaft noch an Land und raucht gemütlich zu Ende. Mit fünf Minuten Verspätung legen wir schließlich ab – puh, damit schmilzt zwar die Übergangszeit auf den Bus, aber unser Plan geht auf. Hier der Blick vom Schiff auf die Marienkirche und die Hafenspeicher.

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Bevor wir die Hafenausfahrt erreichen, fällt der Mannschaft jedoch ein, dass man an Bord noch eine Kaffeekanne für die Gastronomie an Land hat. Also wird nochmals gewendet, mit dem Bug an den Anleger manövriert und die dämliche Kaffeekanne übergeben – womit gleichzeitig unser schöner Reiseplan kippt. Die Fahrt über den Barther Bodden kann ich jetzt nur eingeschränkt genießen.

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Der Barther Bodden ist eine Lagune zwischen der Halbinsel Zingst und dem Festland, der Sage nach soll hier die Stadt Vineta bei einem Sturmhochwasser untergangen sein. Durch den Zingster Strom fährt das Schiff nun zwischen der Insel Kirr und der Halbinsel Zingst zum Hafen von Zingst.

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Als das Schiff in Zingst anlegt, ist der Bus schon weg. Die Reederei wirbt auf ihrer Internetseite, die Fahrt zu einem Erlebnis zu machen. Nun, das stimmt - aber auf ein solches Erlebnis hätte ich dann doch gerne verzichtet.
Tja, was nun? Mit dem Schiff zurück nach Barth fahren und die Meisterleistung mit einem erneuten Fahrkartenkauf belohnen? Da warten wir lieber zwei Stunden auf den nächsten Bus, zumal der geplante Zug in Barth ohnehin nicht mehr zu erreichen ist.

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Nutzen wir die Zeit eben für eine kleine Spurensuche. Der Ort Zingst auf der gleichnamigen Halbinsel hatte einst einen Bahnanschluss durch die Darßbahn. Die Darßbahn führte von Barth über das Festland bis Bresewitz und über die Meiningenbrücke auf die Halbinsel nach Zingst und Prerow. Die Gleise auf der Halbinsel wurden nach dem Zweiten Weltkrieg als Reparationsleistung demontiert und nicht mehr wieder aufgebaut.
Der Bahnhof Zingst wurde 1910 eröffnet, nach der Betriebseinstellung 1946 war er Lazarett, Gaststätte und Betriebsferienlager der Reichsbahn, heute präsentiert er sich historisch restauriert als Wirtshaus.

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Die restliche Zeit nutzen wir für einen Besuch am Strand und auf der Seebrücke, dann fahren wir schließlich mit dem Bus zurück nach Barth.

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Es geht gleich weiter...

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