ICE International und Eurostar (ohne Bilder) (Reiseberichte)

ffz, Montag, 15. Mai 2017, 19:57 (vor 133 Tagen) @ Hustensaft

Mit dem Sparpreis Europa nach London und zurück – allerdings trotz frühzeitiger Buchung (rund 5 Monate Vorlauf) für knapp 180 Euro zuzüglich 9 Euro Reservierung.

180€ hin- und zurück 2. Klasse finde ich jetzt wenig erstaunlich, der Sparpreis Europa London hängt sowohl an den innerdeutschen Sparpreiskontingenten als auch an der Auslastung vom Eurostar. So als Tipp für das nächste Mal, die 1. Klasse ist oft nicht viel teurer, man hat aber mehr Platz, spart sich die Reservierungskosten und bekommt im Eurostar kostenlose Getränke und einen Imbiss.


Dennoch kommen wir pünktlich in Köln los und in Aachen an, wobei ich mich wundere, wie viele Leute ihr Geld in die ICE-Fahrkarte investieren – oder bauen die alle darauf, dass ob der Fülle des Zuges eine vollständige Fahrkartenkontrolle nicht möglich ist? Jedenfalls leert sich der Zug in Aachen wieder deutlich

Dass sich der Zug in Aachen noch mal merlich leert ist nicht ungewöhnlich, man ist mit einem Sparpreis teilweise güsntiger mit dem ICE von Köln nach Aachen gefahren wie mit dem RE, dem NRW-Tarif sei "Dank", wenn man noch ordentlich Nahverkehrsvorlauf oder Nachlauf einbaut.


Die Beschilderung zum Eurostar-Eingang ist nicht ganz optimal, auch bei den Anschlusszügen wird der nicht erwähnt – obgleich durch die vorgeschriebene Eincheckzeit der zeitliche Abstand nicht wirklich groß ist. Wie eng man das sieht, erlebe ich später, als ich ein Gespräch auf dem Nachbarsitz höre, dass man im – eigentlich gebuchten – vorherigen Zug nicht mitfahren durfte, weil man (angeblich) erst eine Viertelstunde vor Abfahrt am Terminal gewesen sei. Jedenfalls fällt der Eurostar zunächst positiv auf: Die Ticketkontrolle erfolgt gleich beim Terminalzugang (war da früher mal was mit Bahnsteigsperren?) und durch den Reservierungszwang gibt es auch nicht die gewohnt-lästige Platzsuchkolonne. Aber nach der Ticketkontrolle erst der Sicherheits-Check: Wirklich alles was Metall hat, muss ausgezogen werden, Gürtel inclusive (wobei ich froh bin, dass ich als Mann nicht das BH-Problem habe, gleichwohl habe ich keine Frau gesehen, die den BH ausziehen musste). Es folgt die belgische Ausweiskontrolle (Ausreise aus dem Schengen-Raum) und wenige Meter weiter die britische Einreisekontrolle – und dann heißt es warten, denn der Zug darf erst 15 Minuten vor Abfahrt bestiegen werden.

Beim 1. Mal in Brüssel Umsteigen habe ich auch etwas gesucht, jetzt weiß ich wie es geht und es ist kein wirkliches Problem. Wenn man es drauf anlegt und fix ist schafft man den Weg vom ICE zum Channel-Terminal in 5 Min. Wobei Eurostar mit dem Check-In auch mal auf einen verspäteten ICE/Thalys wartet bis zu 15 Min. Sonst wird man beim Eurostar sehr kulant umgebucht, sofern noch Platz vorhanden ist. Der Eurostar hatte noch nie Bahnsteigsperren, es gibt nur für die SNCF und Eurostar Fahrkarten die automatischen Zugangskontrollen, während die DB Tickets alle manuell eingecheckt werden müssen.


Im Eurostar merke ich dann, wo die DB ihren Unsinn lernt: Wand-Fensterplätze, Sitze mit „Ohren“ (nur dumm, dass ich, obwohl mit 1,80 m nicht außergewöhnlich lang), mich nicht gerade setzen kann, weil es dann zwischen „Ohr“ und Schulter einen Konflikt gibt – wer, Sichwort ICE-Redesign, (ausgeprägte) Ohren an Sitzen gut findet, sollte daran denken, dass, siehe Eurostar, Züge längerfristig in Betrieb sind und die Menschen immer länger (und dicker) werden; aber die Eurostar-Züge haben alle schon (sichtbar) einige Jährchen auf dem Buckel. Abgefahren wird ganz pünktlich, die Ansagen erfolgen nur noch in drei Sprachen (jetzt ohne deutsch).

Die Eurostars E300 werden gerade das 2. Mal redesignt und bekommen dabei neue Sitze, die man bei uns aus dem ICE 4 kennt.


Es folgt der Halt in Ebbsfleet, nun schon auf der Insel, selbstverständlich erfolgt die erste Ansage nun auf Englisch, wobei das offenkundig muttersprachlich-französische Team nicht besonders gut verständlich ist. Auf die Minute genau wird St. Pancras in London erreicht – und es geht zwar ohne Kontrolle weiter, aber leider durch die einstigen Kontrolleinrichtungen und nur über einen Ausgang, so dass es zu einem Rückstau kommt.

Das sind nicht die einstigen Kontrolleinrichtungen, sondern die werden bis heute genutzt nämlich zu Einreisekontrolle bei den Zügen aus Brüssel, bei denen unregelmäßig eine Vollkontrolle aller Passagiere erfolgt, manchmal nur Stichproben, manchmal gar nicht.

Von St. Pancras aus – Achtung: Die Beschilderung setzt Kenntnisse voraus, die man als Tourist nicht unbedingt hat! – geht es weiter mit dem Thameslink nach Redhill, wo ich mir die erste Verspätung des Tages einfahre – und eine Besonderheit kennenlerne, werben die doch damit, dass man aber einer Viertelstunde Verspätung den Fahrpreis zurückbekommt, explizit unterstützt durch die Aussage „ohne Fußnoten“; tja liebe DB, ich glaube, das kann ich nicht als Vorbild empfehlen, denn dann wäre in einem Vierteljahr nicht nur Locomore pleite ...

Das Delay-Repay gilt nur für britische Eisenbahnfahrkarten, nicht für Oyster und es gibt auch nur 10% vom Fahrpreis zurück und das auch nur, wenn das EVU die Verspätung zu vertreten hat und nicht bei höherer Gewalt, wie Streik, Unwetter,...
Sonstige Fahrgastrechte gibt es in GB nicht, es gibt keine bezahlte Übernachtung, wenn du deinen Anschluss verpasst und auch kein Taxi beim letzten Zug. Im Übrigen sind Fahrkarten in GB nur 1 Kalendertag plus die ersten 4 Stunden des Folgetages gültig, es gibt also keine langen Fahrtunterbrechungen.

In St. Pancras sind die Wege zwar etwas weiter als in Brüssel, aber wir dürfen auch 5 Minuten früher in den Zug einsteigen. Pünktlich geht es los, Zwischenhalt in Ebbsfleet und hinein in den Tunnel. Diesmal direkt nach dem Tunnel ein Halt in Calais, dann wieder in Lille – und dort kommen wir erst mit 3 Minuten Verspätung los, zum ersten Mal auf der Fahrt fange ich an zu überlegen, wie viel Umsteigezeit ich in Brüssel habe. Dennoch erreichen wir Brüssel pünktlich und – auch hier kann sich die DB eine Scheibe abschneiden – bei den Anschlüssen wird mein ICE mit dem richtigen (trotz abweichenden Gleises) Gleis angesagt, dass klappt „zu Hause“ eher selten.

Dafür wartet der ICE nicht auf einen verspäteten Eurostar, nicht mal 1 Minute, was sehr ärgerlich sein kann, da die Übergangszeit recht knapp ist. Den Eurostar gibt es nur in 3 Formen:
1) absolut pünktlich
2) mehr wie 30 Min verspätet, sodass der Anschluss sicher weg ist
3) im Totalausfall wegen Betriebseinstellung, Eurostar stellt gerne den Betrieb ein, wenn sich die Verspätungen zu sehr hoch schaukeln, die Fahrgastrechte sehen so aus, dass die Fahrkarte dann am nächsten Tag noch gilt, Unterkunft muss man selber zahlen.

Mit bis zu 250 km/h geht es dann weiter nach Lüttich – komisch, mein letzter Informationsstand war, dass der ICE 3 unter Gleichstrom nur 220 km/h darf/kann –, wo wir dann trotzdem wieder pünktlich ankommen.

Die LGV's/HSL's in Belgien sind mit 25kV/50Hz Wechselstrom elektrifiziert und als Zugsicherung mit TBL 2, bzw ETCS Level 2 ausgerüstet. Das merkt man auch weil beim Einfahren auf die LGV kruz die Klimaanlage aus geht und das Licht runter fährt.


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