ICE International und Eurostar (ohne Bilder) (Reiseberichte)

Hustensaft @, Montag, 15. Mai 2017, 18:48 (vor 70 Tagen)

Mit dem Sparpreis Europa nach London und zurück – allerdings trotz frühzeitiger Buchung (rund 5 Monate Vorlauf) für knapp 180 Euro zuzüglich 9 Euro Reservierung.

Nach der Anreise mit Stadtbus und S-Bahn ging es am vergangenen Freitag mit 3 Minuten Verspätung um 10:46 Uhr mit dem ICE 16 los. Die erste Besonderheit gleich nach der Abfahrt: Ansagen in vier Sprachen (Deutsch, Niederländisch, Französisch und Englisch). Einwandfreie Fahrt bis Köln – und dort beginnt wieder das übliche Spiel „Wofür reservieren, für mich wird schon noch ein Plätzchen frei sein“.

Dennoch kommen wir pünktlich in Köln los und in Aachen an, wobei ich mich wundere, wie viele Leute ihr Geld in die ICE-Fahrkarte investieren – oder bauen die alle darauf, dass ob der Fülle des Zuges eine vollständige Fahrkartenkontrolle nicht möglich ist? Jedenfalls leert sich der Zug in Aachen wieder deutlich und kurz danach rollen wir über die belgische Grenze – und das merkt man nicht nur am plötzlichen Linksverkehr, an den Signalen und den Oberleitungsmasten, sondern, man möge mir das verzeihen, auch an der Bauweise der Häuser und dem Umstand, dass die parallele Autobahn durchgängig Laternenmasten aufweist sowie dem Umstand, dass es kein WLAN mehr gibt, man aber munter weiter in den Anzeigen im Wagen dafür wirbt (ebenso wir für Leihfahrräder, die BahnCard und mehr, alles in mehreren Sprachen). Nicht zu vergessen: Die Sprachreihenfolge ändert sich. Übrigens: Wer n-Wagen für altertümlich und nicht mehr zumutbar hält, sollte mal sehen, womit die Belgier sich teilweise noch begnügen müssen.

Der nächste Bahnhof ist Lüttich – und zumindest der Ansager im Zug wechselt ganz offenkundig, denn waren die Ansagen bis dahin weitgehend akzentfrei, kann der Ansager, der jetzt agiert, seine sprachliche Herkunft nicht leugnen. Zudem besticht der Bahnhof in Lüttich durch seine Architektur, wobei bei mir Zweifel ob der Tauglichkeit bezüglich des Windes bleiben; zwar sieht die Vorhalle in Kassel-Wilhelmshöhe anders aus, aber eine Vergleichbarkeit bezüglich dieses Problems würde mich nicht verwundern.

Pünktlich erreichen wir, nach einem Stopp in Brüssel Nord, Brüssel Midi – und dort kommen beim Anblick der Bahnhofsteils für den Eurostar sehr ungute Erinnerungen auf: Streng eingezäunt und mit verschlossenen Zäunen über den Gleisen, war da mal was mit DDR-Grenzübergangsstellen?

Die Beschilderung zum Eurostar-Eingang ist nicht ganz optimal, auch bei den Anschlusszügen wird der nicht erwähnt – obgleich durch die vorgeschriebene Eincheckzeit der zeitliche Abstand nicht wirklich groß ist. Wie eng man das sieht, erlebe ich später, als ich ein Gespräch auf dem Nachbarsitz höre, dass man im – eigentlich gebuchten – vorherigen Zug nicht mitfahren durfte, weil man (angeblich) erst eine Viertelstunde vor Abfahrt am Terminal gewesen sei. Jedenfalls fällt der Eurostar zunächst positiv auf: Die Ticketkontrolle erfolgt gleich beim Terminalzugang (war da früher mal was mit Bahnsteigsperren?) und durch den Reservierungszwang gibt es auch nicht die gewohnt-lästige Platzsuchkolonne. Aber nach der Ticketkontrolle erst der Sicherheits-Check: Wirklich alles was Metall hat, muss ausgezogen werden, Gürtel inclusive (wobei ich froh bin, dass ich als Mann nicht das BH-Problem habe, gleichwohl habe ich keine Frau gesehen, die den BH ausziehen musste). Es folgt die belgische Ausweiskontrolle (Ausreise aus dem Schengen-Raum) und wenige Meter weiter die britische Einreisekontrolle – und dann heißt es warten, denn der Zug darf erst 15 Minuten vor Abfahrt bestiegen werden.

Im Eurostar merke ich dann, wo die DB ihren Unsinn lernt: Wand-Fensterplätze, Sitze mit „Ohren“ (nur dumm, dass ich, obwohl mit 1,80 m nicht außergewöhnlich lang), mich nicht gerade setzen kann, weil es dann zwischen „Ohr“ und Schulter einen Konflikt gibt – wer, Sichwort ICE-Redesign, (ausgeprägte) Ohren an Sitzen gut findet, sollte daran denken, dass, siehe Eurostar, Züge längerfristig in Betrieb sind und die Menschen immer länger (und dicker) werden; aber die Eurostar-Züge haben alle schon (sichtbar) einige Jährchen auf dem Buckel. Abgefahren wird ganz pünktlich, die Ansagen erfolgen nur noch in drei Sprachen (jetzt ohne deutsch).

Nach einem Halt in Lille – merke, auch hier ändert sich die Sprachreihenfolge, schließlich sind wir in Frankreich, geht es noch ein ganzes Weilchen, bis ohne weiteren Hinweis die Einfahrt in den Eurotunnel erfolgt, die fast auf die Sekunde genau 20 Minuten dauert und von den clevereren Fahrgästen genutzt wird, um ihre Uhr zu stellen. Es folgt der Halt in Ebbsfleet, nun schon auf der Insel, selbstverständlich erfolgt die erste Ansage nun auf Englisch, wobei das offenkundig muttersprachlich-französische Team nicht besonders gut verständlich ist. Auf die Minute genau wird St. Pancras in London erreicht – und es geht zwar ohne Kontrolle weiter, aber leider durch die einstigen Kontrolleinrichtungen und nur über einen Ausgang, so dass es zu einem Rückstau kommt.

Von St. Pancras aus – Achtung: Die Beschilderung setzt Kenntnisse voraus, die man als Tourist nicht unbedingt hat! – geht es weiter mit dem Thameslink nach Redhill, wo ich mir die erste Verspätung des Tages einfahre – und eine Besonderheit kennenlerne, werben die doch damit, dass man aber einer Viertelstunde Verspätung den Fahrpreis zurückbekommt, explizit unterstützt durch die Aussage „ohne Fußnoten“; tja liebe DB, ich glaube, das kann ich nicht als Vorbild empfehlen, denn dann wäre in einem Vierteljahr nicht nur Locomore pleite ...

Zurück muss ich meinen Weg in Caterham starten, da Redhill an Sonntagen nicht bedient wird (gleichwohl fahren dort eine Menge Züge durch, liegt der Bahnhof doch an der Strecke zum Flughafen Gatwick). Vielleicht muss man wissen, dass es an (fast) allen Bahnhöfen automatische Ticketkontrollschleusen gibt, dazu immer mindestens eine Aufsichtsperson (die ggf. auch beim Fahrscheinkauf hilft), von ein oder zwei örtliche Aufsichten auf dem Bahnsteig ganz abgesehen. Auf die Minute erreiche ich London Victoria, von wo es mit der Tube weitergeht nach Kings Cross – der Bahnhof liegt keine 100 m von St. Pancras entfernt.

Dort die gleiche Prozedur wie in Brüssel – und doch anders:
Beim einchecken werde ich angehalten, weil es ein Problem gebe. Und jetzt liebe DB heißt es sehr gut aufpassen: In dem gebuchten Wagen ist die Klimaanlage defekt und ich bekomme ungefragt eine neue Reservierung in die Hand gedrückt, echt beeindruckend. Der Sicherheits-Check funktioniert hier auch mit Gürtel und ohne besondere Kontrolle des Laptops, dafür ist die Passkontrolle nicht optimal organisiert, insgesamt aber lockerer: So schnell, wie ich meinen Ausweis vom französischen Polizisten zurück hatte – ich glaube, ich halte da einen Rekord, bei allen anderen Passagieren vor und nach mir dauerte das signifikant länger. Besonders amüsant die Leute mit elektronischen Reisepässen: Die maschinelle Kontrolle zieht sich weitaus länger hin als der manuelle Check.

In St. Pancras sind die Wege zwar etwas weiter als in Brüssel, aber wir dürfen auch 5 Minuten früher in den Zug einsteigen. Pünktlich geht es los, Zwischenhalt in Ebbsfleet und hinein in den Tunnel. Diesmal direkt nach dem Tunnel ein Halt in Calais, dann wieder in Lille – und dort kommen wir erst mit 3 Minuten Verspätung los, zum ersten Mal auf der Fahrt fange ich an zu überlegen, wie viel Umsteigezeit ich in Brüssel habe. Dennoch erreichen wir Brüssel pünktlich und – auch hier kann sich die DB eine Scheibe abschneiden – bei den Anschlüssen wird mein ICE mit dem richtigen (trotz abweichenden Gleises) Gleis angesagt, dass klappt „zu Hause“ eher selten.

Was ist jetzt in Brüssel besser? Der Reisendenstrom teilt sich. Die Fahrgäste mit Anschlüssen nutzen den Rollweg nach unten, die übrigen Fahrgäste den Ausgang nach vorne. Der ICE 215 steht schon bereit, öffnet aber erst 7 Minuten vor Abfahrt die Türen – und was passiert: Die Platzsuch-Kolonne ist wieder unterwegs, ebenso sind wieder Leute trotz Reservierung im falschen Wagen, komisch, im Eurostar passiert das nicht. Gerade noch pünktlich fahren wir ab und sind rechtzeitig in Brüssel Nord, dort geht es aber zu spät los und kurz danach stehen wir – offenkundig mussten wir den Gegenzug abwarten. Mit bis zu 250 km/h geht es dann weiter nach Lüttich – komisch, mein letzter Informationsstand war, dass der ICE 3 unter Gleichstrom nur 220 km/h darf/kann –, wo wir dann trotzdem wieder pünktlich ankommen. Weiter nach Aachen – ab dort geht auch das WLAN wieder, ärgerlich, dass das auch in Belgien beworben wird – und Köln, weiterhin pünktlich. Nach Köln dann eine Fahrt durch alle Wetterzonen, von strahlend blau bis tief schwarz samt Regen ist alles dabei, aber irgendwie kann es ja nicht sein, dass es so ganz ohne Verspätung geht, kommen wir nach einem außerplanmäßigen Halt direkt vor dem Flughafen Fernbahnhof (der bei der Einfahrt vollkommen leer war) dennoch fast pünktlich an.

Weiter mit der Süwex und dem Stadtbus nach Hause – und viele neue Erkenntnisse gewonnen, über Dinge, die man andernorts bei der Bahn besser macht, aber auch, dass die Bahn dort teilweise erheblich teurer ist.


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