Drei Tage durch die Schweiz (Teil 3a m. 50 B.) (Reiseberichte)

caboruivo ⌂ @, CH, Sonntag, 19. März 2017, 09:51 (vor 7 Tagen) @ TD

Lieber TD

Du hast mit mir deinen Schweiz-Reiseberichten eine grosse Freude bereitet, denn: Mit der Vitznau-Rigi-Bahn hast du meine alte Wirkungsstätte, mit Brunnen den Ort, in dem ich bis letzten August meine 25 ersten Lebensjahre verbracht und auch heute noch viel anzutreffen bin, besucht und sowieso warst du mit meiner aktuellen Arbeitgeberin SBB unter anderem auf einer meinen Hausstrecken, der Seetalbahn, unterwegs.

Ich erlaube mir, hier auch auf vergangene Teile zu antworten:

Zur Seetalbahn: Sie ähnelt nicht nur einer Strassenbahn in den Ortsdurchfahrten, sondern ist in Ballwil, Beinwil am See, Birrwil, Hallwil und Seon auch als solche trassiert und mit Strassenbahnsignalen versehen. Die Geschwindigkeit ist in diesen Abschnitten auch mit Fahrt auf Sicht, maximal 40 km/h (mit GTW) bzw. 10 km/h (alle anderen Fahrzeuge) festgelegt. Deswegen sind auch solche Kreiseldurchfahrten in Ballwil, Beinwil und Hallwil möglich. Am krassesten finde ich jedoch den über 1km langen Strassenbahnabschnitt in Seon, da dort jede Hauszufahrt einen eigenen Übergang hat. Da hat man in der Nacht als Lokführer Discofeeling. Auch sonst ist die Sache mit den Übergängen interessant: Einige sind mangels Zugsicherung ebenfalls als Strassenbahnbereich markiert (Hochdorf Schönau, Hitzkirch, Boniswil), andere schalten erst nach einer gewissen Zeit nach, weswegen auch Leermaterialzüge an den Stationen anhalten müssen. Die Seetalbahn ist auch die einzige Strecke im Netz der SBB, die bei einer ZUB-Störung im Ausgangsbahnhof nicht befahren werden darf.
Da im Seetal die Bahnsteige einheitlich eine Höhe von 35 cm haben (sollten), auf dem Restnetz aber 55 cm, müssen die Seetal-GTW im Rahmen des Behindertengleichstellungsgesetzes einen Einstieg für 55 cm erhalten. Es steht ohnehin ein Refit an, das m.W. dieses Jahr beginnen wird.
Darf ich fragen, wann du im Seetal unterwegs warst?

Zur Rigi-Bahn: Auch da hatte ich eine schöne Zeit verbracht, dies als Zugbegleiter und Bremser. Da hast du bei der Talfahrt gleich die Monsterkomposition herausgesucht: "Beeri"-BDhe 4/4 mit Steuerwagen und Vorstellwagen - keine Komposition fasst mehr Passagiere.
Interessant finde ich, dass du dich nicht entscheiden konntest, welche Bahn die bessere Aussicht bietet. Ich bin ein wenig entrüstet (kleiner Scherz!), denn sonst gewinnt die VRB bei diesen Vergleichen immer, schon wegen des Abschnittes Staffelhöhe-Staffel. Die VRB ist kürzer als die ARB, dafür steiler.
Die Rigi-Bahnen haben eine neue Marketingstrategie - neu herrscht grün als Einheitsfarbe. Blau-Rot soll irgendwann der Vergangenheit angehören. Auch sollen irgendwann die vor allem noch auf der Vitznauer Seite planmässig eingesetzten historisch angehauchten Fahrzeuge durch neues Rollmaterial ersetzt werden, darüber wird aber schon seit Jahren ohne konkrete Pläne diskutiert.
Von Vitznau nach Brunnen verkehrt ja auch die SGV, allerdings ist der Anschluss miserabel, da alles in Richtung Luzern ausgelegt ist. Wie hast du die Busfahrt empfunden? Rasant? :D
Noch ein Nachtrag zum Bahnhof Goldau der RB: Der neue Bahnhof an sich ist seit 2010 vollendet, allerdings zieht sich die Renovierung des als Zugang vorgesehenen Hochperrons nun bereits fünf Jahre länger als geplant hin... Ursprünglicher Eröffnungstermin war 2012, ein für 2015 geplantes Eröffnungsfest wurde kurzfristig abgesagt, aktuell ist noch kein konkretes Datum geplant. Grund für die Verzögerung war die weitaus schlechtere Bausubstanz des Hochperrons als angenommen sowie ein Baustopp aus finanziellen Gründen.

Ja, Brunnen. Meine Liebe. Wärst du mit dem Schiff angekommen, hättest du wahrscheinlich die Nase gerümpft. Denn von dieser Seite aus sieht es nicht gerade schön aus. Aber du hast im alten Dorfkern doch noch schöne Gebäude zu Gesicht bekommen.
Interessant ist, dass beim Gebäude hinter dem Bus die Sonnenstore heruntergelassen ist: Dieses Lokal ist seit Jahren geschlossen, soll aber dieses oder nächstes Jahr wieder eröffnet werden.
In der Bundeskapelle war ich seit etwa 10 Jahren nicht mehr, sie war übrigens Schauplatz eines bis heute nicht aufgeklärten Raubes einer Pietà-Figur. Der Brunnen nebenan stammt von einem Brunner Bildhauer namens Josef Bisa, dessen Werk man im Dorf überall findet, z.B. auch unmittelbar vor dem Bahnhof, oder natürlich auch auf dem Weg dorthin.

Gruss und vielen, vielen Dank!

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Nur falsche Prinzen reiten auf dem Schimmel, richtige in der Lokomotive


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