Der Mittwochsbahnhof, Teil 5 (30 Bilder) (Reiseberichte)

Sören Heise @, Region Hannover, Mittwoch, 11. Januar 2017, 18:00 (vor 310 Tagen)

Moin,

in Niedersachsen ist man bislang glücklicherweise eher zurückhaltend mit der Umbenennung von Bahnhöfen zwecks Kennzeichnung der kommunalen Zugehörigkeit. Eine Ausnahme ist Schortens. Dessen Bahnhof heißt seit einiger Zeit Schortens-Heidmühle statt einfach nur Heidmühle. Die Umbennung erfolgte zwischen 1997 und 1999.


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Heidmühle bildet zusammen mit Oestringfelde, Ostiem und Schortens den Kern der Stadt Schortens (Stadt seit 2005). Von den etwa 20.000 Schortenseranerinnen und Schortenseranern wohnen um die 14.000 in diesen vier zusammengewachsenen Orten und von denen wiederum etwa 8.500 in Heidmühle. Heidmühles Namensgeber war die Heidemühle. Das war eine Bockwindmühle, die 1561 aus Upjever fortzog und nördlich von Schortens eine neue Heimat fand. 1913 wurde sie abgerissen, Teile gelangten nach Apen.

Da hatte Heidmühle schon Eisenbahnanschluß. Den lieferte die Ostfriesische Küstenbahn, die von Norden über Dornum und Esens nach Sande führte. Ihre Eröffnung fand am 15. Juni 1883 statt. Von Norden her bis zur zwischen Wittmund und Jever gelegenen Staatsgrenze war Preußen der Bauherr, für den Rest zeichnete die Großherzoglich Oldenburgische Eisenbahn verantwortlich. Das Schicksal teilte die Strecke in drei: Am 29. Mai 1983 endete zwischen Norden, Dornum und Esens der Reiseverkehr, Rolf Köstner war Ende April vor Ort. Zwischen Dornum und Esens erfolgte am 27. September 1985 die formelle Stillegung, 1986 der Abbau. Auf dem Westabschnitt Norden - Dornum endete der Güterverkehr am 23. September 1989. Da hatte die Strecke aber schon eine neue Nutzung: Am 6. Juni 1987 hatte die Museumseisenbahn Küstenbahn Ostfriesland ihren Betrieb aufgenommen. 1991 kaufte der Landkreis diesen Streckenabschnitt und verkaufte ihn an die Anliegerkommunen weiter, die Museumsbahn pachtet die Strecke.

Auch um den Ostabschnitt unserer Strecke stand es nicht gut. Mit der Regionalisierung kam die Wende: Zwischen Sande und Esens wurde modernisiert (und kräftig zurückgebaut). Im Jahr 2000 wurden die Maßnahmen abgeschlossen. Seitdem fährt die Nordwestbahn mit ihren Lints zwischen Wilhelmshaven und Esens im Stundentakt, mit Fahrtrichtungswechsel in Sande. Die Zugkreuzungen finden in Heidmühle statt, dem einzig verliebenen Bahnhof der Strecke.

Von Sande aus gibt es bis zum Weißen Floh Güterverkehr, dort zweigt die Strecke zur Wilhelmshavener Raffinerie und zum Jade-Weser-Port, einem Tiefwasserhafen, ab. Da wurde sogar im letzten Sommer die Strecke um ein paar Meter verlegt. Bilder gibt es natürlich bei DSO.

Mit der Eisenbahn begann die Entwicklung von Heidmühle. Arbeiter aus Wilhelmshaven siedelten sich an, 1910 wurde eine Schule eröffnet. 1936 wurde der Fliegerhorst Upjever eröffnet, das Anschlußgleis dorthin beginnt am Bahnhof Heidmühle. Ende September 2013 wurde der Flugbetrieb eingestellt, seitdem ist dort das ObjSRgtLw "Friesland" beheimatet.
Heidmühle selbst wirkte auf mich nicht besonders sehenswert, mit einer Ausnahme. Ich habe daher am 31. August 2016 einen kleinen Abstecher nach Schortens gemacht, da steht nämlich eine alte Kirche.


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1 Viele gehen, einer kommt. Überrascht war ich, daß es in Heidmühle noch Formsignale gibt.


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2 648 085 nach Wilhelmshaven hat schon Ausfahrt, 648 089 muß noch ein wenig warten. In gelb das einstige Bahnhofsgebäude.


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3 Zwei Minuten und vierundvierzig Sekunden später sind wir auf dem Bahnübergang am Ostende des Bahnsteigs. Weser-Ems-Bus und Janssen Reisen holen ein paar Zugreisende ab.


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4 Eine Viertelstunde immer geradeaus ist St. Stephanus in Sichtweite.


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5 Ohne Worte.


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6 Der Turm steht separat.


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7 Straßenkreuzung.


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8 Die katholische Kirche. Eine Mischung aus Ku-Klux-Klan und Schlumpfhausen.


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9 Der Turm von innen sozusagen. (Vor ein paar Monaten gab es im Netz noch ausführliche Informationen zur Kirche, aber die Seite scheint es nicht mehr zu geben. Das ist schade.)


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10 Das dritte Busunternehmen in der Region ist Bruns aus Varel.


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11 Straßenkreuzung, mit Fahrradfahrerhaltebügeln.


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12 Zurück am Bahnübergang.


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13 Alle Richtungen, außer Esens.


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14 Die Kreuzung am Bahnhof. Geradeaus beginnt die Bahnhofstraße. Durch sie führte die durch das Privatunternehmen Pekol von 1944 bis 1954 betriebene Trollibuslinie von Jever nach Wilhelmshaven.


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15 Vorm Bahnhof.


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16 Da steht eine alte Waage ausgestellt.


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17 Und eine Dampflokachse.


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18 Das Bahnhofsgebäude liegt zur Sommerzeit um 15:15 Uhr ziemlich im Gegenlicht.


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19 Von der Seite ist das nicht so schlimm. Man sieht die Umbauten.


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20 Die Ausfahrt gen Esens. Das Gleis links führt zum Fliegerhorst.


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21 Das Empfangsgebäude. Vorne im Vorbau das Stellwerk, ohne Schild.


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22 Bahnsteigbild.


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23 Richtung Sande.


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24 Der Kilometerstein ist unlesbar. An der Strecke gab es mehrere dieser Art, wie man bei Klaus Erbeck (unten) sieht. Die Form ist seltsam. Vielleicht ist er gar original oldenburgisch?


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25 Bahnsteigbild mit Empfangsgebäude.


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26 Der Bahnsteigzugang.


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27 Spannwerke, nochmal der Kilometerstein (8,3 wird vom Schlußbild bestätigt) und Anschlußgleistafel.


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28 648 085 kommt an.


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29 Für kurze Zeit kehrt Leben auf dem Bahnsteig ein.


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30 648 089 kehrt aus Esens zurück.


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Abschließend sei noch ein kurzer Besuch bei der Wilhelmshavener Zeitung empfohlen, die hat nämlich einen kleinen netten Artikel über den Bahnhof Heidmühle. Und für die Mühlologen ist die NWZ einen Klick wert, da geht es um die Heidmühle. Für uns geht es anderswo hin. Bis Mittwoch!

Viele Grüße
Sören

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