FAZ:Warum Provinz-Fürsten für ihr Dorf 'nen ICE-Halt möchten (Allgemeines Forum)

sappiosa, Donnerstag, 12. Februar 2009, 12:23 (vor 3753 Tagen) @ Castro92

Hallo Castro,

Eigentlich bietet das (im Thread angesprochene) japanische Nozomi-Hikari-Kodama-System gute Chancen, mit dieser Lage umzugehen.


In Japan mag dies funktionieren in Deutschland funktioniert es aufgrund der Unternehmenspolitik der Deutschen Bahn und der Struktur Deutschlands im Moment nicht.

Warum? Was tut die Unternehmenspolitik der Deutschen Bahn Deiner Meinung nach dagegen?
Ein Hikari oder Kodama ist ja nicht mit einem IC oder IR gleichzusetzen. Er nimmt schon die Schnellstrecken und könnte durchaus von ICE-Fahrzeugen bedient werden.

Was die Struktur Deutschlands angeht: Siehe unten.

Das wiederum wird in Deutschland immer wieder torpediert von Kirchturm-Politikern und Sensations-Medien, die sich weigern zu akzeptieren, dass es zwischen "alle halten hier" und "keiner hält hier" Mittelwege gibt.


Nein die gibt es ja in Deutschland eben nicht. Entweder man hat den ICE oder man hat nur eine RB oder ähnliches.

Aber "man hat den ICE" muss doch nicht heißen, dass nicht zugleich andere ICE durch- oder vorbeifahren könnten, oder?
An Lyon fahren zahllose TGV vorbei - und Lyon käme niemals auf die Idee, vom TGV-Netz abgehängt zu sein.

Die Deutsche Bahn und die Politik des Verkehrsministeriums haben den IR als ein solches Produkt ja aussterben lassen.

Sehe ich auch als Fehler. Hat aber mit dem Thema m.E. höchstens am Rande zu tun. Der Artikel der FAZ bezog sich ausdrücklich aufs Hochgeschwindigkeitsnetz.

Im übrigen: Was hat Trier davon, einmal am Tag einen ICE statt des IC zu sehen, mit der gleichen Fahrzeit, aber sogar höheren Preisen? Trotzdem will sich Trier stolz ICE-Halt nennen.

Ich kann mich daran erinnern, dass es die Schlagzeile gab "Aachen soll abgehängt werden", als die DB darüber diskutierte, einen (und nur einen!) ICE Köln-Brüssel in Aachen durchfahren zu lassen.


Wenn ich OB in Aachen wäre würde ich dagegen auch protestieren. Wer hindert die DB dann daran den nächsten ICE durchfahren zu lassen?

Vielleicht die Nachfrage der Aachener Fahrgäste selbst? Wenn der Halt so wichtig ist, sollte die DB doch gar kein Interesse daran haben, den Halt abzuhängen.

Solch eine Reaktion ist aufgrund der schlechten Erfahrungen mit der DB nachvollziebar.

Nein, solch eine Reaktion zeigt, dass man die Bahnreform nicht verstanden hat (oder aus Populismus nicht verstanden zu haben vortäuscht).

Die DB fährt den Fernverkehr eigenwirtschaftlich. Es fährt, was sich für die DB lohnt; und wenn ein Halt nicht mehr bedient wird, heißt das, die Nachfrage lohnt den Halt nicht. Statt auf die böse DB zu schimpfen (die haargenau das tut, was ihr die Politik seit 1994 aufträgt), sollte ein Aachener OB also lieber an die Aachener appellieren, mehr Bahn zu fahren.

Dementsprechend wenig ausgelastet wären Autobahn-SFS in Deiutschland. Auf den einzelnen Relationen reicht einfach dass Fahrgastpotenzial nicht für diese Schnell-Langsam-Bedienung aus.

Doch, das denke ich schon. Auf der KRM wird es i.W. jetzt schon so gemacht.
Und die Schnellstrecke Würzburg-Hannover wird im Abschnitt Fulda - Sorsum (Abzweig nach Hildesheim) von drei Linien pro Stunde bedient; hier würde die Nachfrage für einen stündlichen Nozomi Frankfurt-Hannover-Hamburg (Halt nur in diesen Städten) allemal reichen. Von den Fahrgästen, die ab Frankfurt den ICE Richtung Hamburg nehmen, steigt meiner Erfahrung nach mindestens die Hälfte nicht vor Hannover aus.
Aber solch ein Nozomi lohnt sich eben nicht, wenn er in Fulda, Kassel und Göttingen zwar nicht hält, aber durchbummeln muss.


In einem Land wie Deutschland mit seinen differenzierten Verkehrsbedürfnissen wäre ein einheitlich geplanter ITF wichtiger als eine NBS durch den Thüringer Wald mit einer Fahrzeit von ITF-untauglichen 70 Minuten.

Ich sehe das als Sowohl-als-Auch.

Übrigens: Unterschätze nicht die Investitionen in die Infrastruktur, die ein echter ITF erfordert. Köln Hbf z.B. wäre derzeit überhaupt nicht in der Lage, den Verkehr eines ITF-Knotens abzuwickeln. Auch die SBB hat das nur unter immensen Kosten hinbekommen.

Aber Italien nimmt auch eine Menge Geld dafür in die Hand, und es wird ja immer wieder kolportiert, FS stehe vor der Pleite...


Viel Geld auszugeben und dann vor der Pleite zu stehen halte ich nicht für so einen Widerspruch.

Stimmt. Hatte mein Satz anders geklungen?

Schöne Grüße aus Frankfurt nach Dresden
Daniel (aka Sappiosa)


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