FAZ:Warum Provinz-Fürsten für ihr Dorf 'nen ICE-Halt möchten (Allgemeines Forum)

Castro92, Dresden, Donnerstag, 12. Februar 2009, 10:51 (vor 3842 Tagen) @ sappiosa

Hallo zusammen,

2. ich frage mich wie viele "metropolen" noch einen ICE-halt bekommen bevor die presse aufhört in deutschland von einem hochgeschwindigkeitsnetz zu sprechen :-/


Tjaja, ein Spannungsfeld: Der Wunsch des einzelnen "Dorfes" ist verständlich, aber wenn es alle wollen, geht der Effekt gegen Null zurück.
(Wobei im Artikel selbst eigentlich nur die Rede von Städten wie München ist, deren Anbindung an den HGV nie zur Debatte stand.)

Eigentlich bietet das (im Thread angesprochene) japanische Nozomi-Hikari-Kodama-System gute Chancen, mit dieser Lage umzugehen.

In Japan mag dies funktionieren in Deutschland funktioniert es aufgrund der Unternehmenspolitik der Deutschen Bahn und der Struktur Deutschlands im Moment nicht.

Das wiederum wird in Deutschland immer wieder torpediert von Kirchturm-Politikern und Sensations-Medien, die sich weigern zu akzeptieren, dass es zwischen "alle halten hier" und "keiner hält hier" Mittelwege gibt.

Nein die gibt es ja in Deutschland eben nicht. Entweder man hat den ICE oder man hat nur eine RB oder ähnliches. Dass man dann auch gegen alle Vernunft versucht einen ICE-Halt zu bekommen ist aus meiner Sicht klar. Die Deutsche Bahn und die Politik des Verkehrsministeriums haben den IR als ein solches Produkt ja aussterben lassen.

Ich kann mich daran erinnern, dass es die Schlagzeile gab "Aachen soll abgehängt werden", als die DB darüber diskutierte, einen (und nur einen!) ICE Köln-Brüssel in Aachen durchfahren zu lassen.

Wenn ich OB in Aachen wäre würde ich dagegen auch protestieren. Wer hindert die DB dann daran den nächsten ICE durchfahren zu lassen? Solch eine Reaktion ist aufgrund der schlechten Erfahrungen mit der DB nachvollziebar.


Wie man das Prinzip auch in der Infrastruktur umsetzt, zeigen die Italiener. Mit ihren "Autobahn-SFS" können Hikari die Innenstädte bedienen (und nicht nur, wie in Limburg, einen Vorstadt-Bahnhof ohne Nahverkehrsanschluss), Nozomi an der Stadt vorbeiknallen; und das HGV-Netz zieht FS als Gesamtkonzept auf, anstatt nur hier ein Stück und dort ein Stück zu planen. Wohlgemerkt, die Siedlungsstruktur von Italien ist der von Deutschland durchaus vergleichbar.

Die Bevölkerungsdichte mag es zwar sein, die Siedlungsstruktur ist aber schon aufgrund der Geografie Italiens anders. Man kann mit einer Neubaustrecke in Nord-Süd-Richtung die sich im Norden verzweigt alle größeren Städte Italiens anbinden. In Deutschland ist dies schon aufrgund der Verteilung der vier größten Städte im Viereck schlecht möglich. Dementsprechend wenig ausgelastet wären Autobahn-SFS in Deiutschland. Auf den einzelnen Relationen reicht einfach dass Fahrgastpotenzial nicht für diese Schnell-Langsam-Bedienung aus.

In einem Land wie Deutschland mit seinen differenzierten Verkehrsbedürfnissen wäre ein einheitlich geplanter ITF wichtiger als eine NBS durch den Thüringer Wald mit einer Fahrzeit von ITF-untauglichen 70 Minuten.

Aber Italien nimmt auch eine Menge Geld dafür in die Hand, und es wird ja immer wieder kolportiert, FS stehe vor der Pleite...

Viel Geld auszugeben und dann vor der Pleite zu stehen halte ich nicht für so einen Widerspruch.

Schöne Grüße
Daniel (aka Sappiosa)

Viele Grüße aus Dresden


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